So oder aehlich denkt vermutlich jeder Einwohner beziehungsweise Besucher Wladiwostoks. Wladiwostok bedeutet auf russisch so viel wie „Beherrsche den Osten“ und das gilt immer noch. Wenn auch nicht mehr in dem Ausmass wie es bis Anfang der 90er der Fall war. Die Stadt war bis 1992 militaerisches Sperrgebiet und somit fast vollstaendig abgeriegelt. Auslaender sowie nicht ortsansaessige Russen durften die Stadt ueberhaupt nicht betreten. Wollten Einwohner die Stadt verlassen, ging dies nur ueber Sondergenehmigungen.
Mittlerweile ist dies aber alles ueberhaupt kein Problem mehr. Die Stadt hier am Pazifik ist sehr interessant und hat sich regelrecht zu einer Boomstadt entwickelt. Es gibt hier einen schoenen Bahnhof, nette Einkaufsstrassen und die Aussicht auf das Meer bzw. auf die anderen Teile der Bucht ist auch richtig schoen. Zu unserem Erstaunen flanieren unzaehlige AMERIKANISCHE Soldaten durch die Strassen, deren Kriegsschiffe im Hafen neben Luxuslinern vor Anker liegen.
Eine der zwei grossen Buchten hier ist immer noch von der Aussenwelt abgeschirmt. In diesem Sperrgebiet befindet sich ein Grossteil der intakten und weniger intakten russischen Pazifikflotte. Die maroden militaerischen Geraetschaften sind hier ein Problem. In der Stadt machen Geruechte die Runde, dass sich ab und an Raketen selbstaendig machen, die dann unkontrolliert durch die Luft schwirren. Nicht weniger problematisch ist die atomare Verseuchung ausgehend von Atom-Ubooten etc.. Auf dem Weg zum Busbahnhof kamen wir durch ein Wohngebiet, in dem sich Wohnhaeuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu offensichtlich noch funktionsfaehigen Raketenwerfern befinden. Kein Witz. Das stelle ich mit nicht gerade angenehm vor, wenn so eine Rakete auf mein Kuechenfenster zielt…
Nichtsdestotrotz gefaellt es uns hier sehr gut. Dazu tragen vor allem die unheimlcih freundlichen und hilfsbereiten Gemeindemitglieder bei, die uns Uebernachtungsmoeglichkeiten bieten oder auch bei der Ticketorganisation behilflich sind. Morgen frueh brechen wir in Richtung China (Peking) auf. Von dort aus wird dann die Reiseorganisation mit Sicherheit unkomplizierter ablaufen. Das Reisen in Russland wird einem wirklich nicht leicht gemacht. Mit dem Begriff „Apparatschniks“ lassen sich die teilweise schickierenden Prozeduren wohl am treffendsten bezeichnen.
