Morgen geht die Bombe hoch… Mittwoch, Sep 26 2007 

So oder aehlich denkt vermutlich jeder Einwohner beziehungsweise Besucher Wladiwostoks.  Wladiwostok bedeutet auf russisch so viel wie „Beherrsche den Osten“ und das gilt immer noch. Wenn auch nicht mehr in dem Ausmass wie es bis Anfang der 90er der Fall war. Die Stadt war bis 1992 militaerisches Sperrgebiet und somit fast vollstaendig abgeriegelt. Auslaender sowie nicht ortsansaessige Russen durften die Stadt ueberhaupt nicht betreten. Wollten Einwohner die Stadt verlassen, ging dies nur ueber Sondergenehmigungen.

Mittlerweile ist dies aber alles ueberhaupt kein Problem mehr. Die Stadt hier am Pazifik ist sehr interessant und hat sich regelrecht zu einer Boomstadt entwickelt. Es gibt hier einen schoenen Bahnhof, nette Einkaufsstrassen und die Aussicht auf das Meer bzw. auf die anderen Teile der Bucht ist auch richtig schoen.  Zu unserem Erstaunen flanieren unzaehlige AMERIKANISCHE Soldaten durch die Strassen, deren Kriegsschiffe im Hafen neben Luxuslinern vor Anker liegen. 

Eine der zwei grossen Buchten hier ist immer noch von der Aussenwelt abgeschirmt. In diesem Sperrgebiet befindet sich ein Grossteil der intakten und weniger intakten russischen Pazifikflotte. Die maroden militaerischen Geraetschaften sind hier ein Problem. In der Stadt machen Geruechte die Runde,  dass sich ab und an Raketen selbstaendig machen, die dann unkontrolliert durch die Luft schwirren. Nicht weniger problematisch ist die atomare Verseuchung ausgehend von Atom-Ubooten etc.. Auf dem Weg zum Busbahnhof kamen wir durch ein Wohngebiet, in dem sich Wohnhaeuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu offensichtlich noch funktionsfaehigen Raketenwerfern befinden. Kein Witz. Das stelle ich mit nicht gerade angenehm vor, wenn so eine Rakete auf mein Kuechenfenster zielt…

Nichtsdestotrotz gefaellt es uns hier sehr gut. Dazu tragen vor allem die unheimlcih freundlichen und hilfsbereiten Gemeindemitglieder bei, die uns Uebernachtungsmoeglichkeiten bieten oder auch bei der Ticketorganisation behilflich sind. Morgen frueh brechen wir in Richtung China (Peking) auf. Von dort aus wird dann die Reiseorganisation mit Sicherheit unkomplizierter ablaufen. Das Reisen in Russland wird einem wirklich nicht leicht gemacht. Mit dem Begriff „Apparatschniks“ lassen sich die teilweise schickierenden Prozeduren wohl am treffendsten bezeichnen.

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Baikalsee und Irkutsk Freitag, Sep 21 2007 

Von Irkutsk aus war unser eigentliches Ziel in Sibirien, die Insel Olchon, nur noch 8 Stunden Fahrt mit einem klapprigen Bus entfernt.

Auf der Insel selbst gibt es nur wenige Unterkuenfte fuer Touristen. Wir hatten uns bei einem Russen namens Nikita eingenistet, der in seinen Holzhuetten schon seit 17 Jahren Touristen aufnimmt. Nikita bietet Vollpension und taeglich Banja (Sauna) zu einem fairen Preis an. So eine Banja ist speziell bei kaltem Wetter eine feine Sache. Olchon ist eine wunderschoene Insel mit Sandstraenden, viel Natur und nur wenigen Menschen. Wehrmutstropfen waehrend dieser fuenf Tage war, das zum Teil ziemlich unfreundliche und unkooperative Personal und dass es fast ausschliesslich Fisch zum Essen gab. Dumm wenn man da eine Fischallegie hat :-( .  

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Momentan befinden wir uns in Irkutsk. Wir sind bei der Schwiegermutter von Gregory untergekommen, einem ehemaligen Deutschlehrer an der Irkutsker Uni, der mittlerweile Fremdenfuehrer auf Olchon ist. Auch abgesehen davon, dass wir beide erkaeltet sind, ist die Stadt eher bescheiden. Einer unserer Reisefueher betitelt Irkutsk als das Paris des Ostens. So viel Wodka kann man meiner Meinung gar nicht trinken, um auf einen solchen Vergleich zu kommen… Naja, interessant ist es allemal, vor allem wenn man versucht, in der rush hour Bus zu fahren und dabei von einer aelteren Dame verpruegelt wird. Das ist uns tatsaechlich wiederfahren. Nachdem die alte Dame damit fertig war uns mit ihrer Plasikflasche zu schlagen, hat sie angefangen uns im proppevollem Bus lauthals zu beschimpfen. Letztendlich sind wir deutlich frueher als geplant aus dem Bus ausgestiegen, raetselnd was wir denn verbrochen haben. Aber alles in allem ist es hier doch ganz in Ordnung. Die Russen sehen zwar gefahrlich aus, sind aber harmlos und oft sehr hilfbereit.

Morgen brechen wir zu unseren zweiten Etappe mit der Transsib von Irkutsk nach Wladiwostok- auf. Dort erwartet uns ein deutscher Pfarrer, der uns freundlicherweise Obdach gewaehrt und uns hoffentlich hilft, Tickets nach Peking zu organisieren.

Mit der Transsib an den Baikalsee Donnerstag, Sep 20 2007 

Nach vier Naechten und drei Tagen in der Transsibirischen Eisenbahn haben wir am 13.09. Irkutsk erreicht. Die Fahrt durch fuenf Zeitzonen ist sehr beeindruckend. Landschaftlich durchquert man weite Steppengebiete, vor allem aber endlos erscheinende Birkenwaelder. Klingt sehr monoton, dennoch fiel es Hannah und mir nicht schwer stundenlang fasziniert aus dem Fenster zu starren. Ergaenzt wird dieser Anblick von mal mehr, mal weniger malerischen Doerfern, die ausschliesslich aus Holz gebaut sind. Der Zug macht etwa alle vier bis fuenf Stunden Station, um Wasser aufzunehmen und wird dabei einer technischen Kontrolle unterzogen. Waehrend dieser Stopps hat man die Gelegenheit, sich an den Bahnhofskiosken mit den noetigsten Dingen einzudecken. An den ersten Bahnhoefen nach Moskau gibt es noch engagierte Verkaeuferinnen, die neben selbstgemachtem Essen auch Kurioses wie Handyschalen oder ueberdimensionierte Kuscheltiere feilbieten.  Zu unserem Leidwesen liess dieses Angebot aber mit der Entfernung zu Moskau stark nach. Einige der Bahnhoefe wie Omsk oder Novosibirsk sind sehr schoen anzusehen. Nachdem wir Deutschland bei regnerischen 8 Grad verlassen haben steigen die Temperaturen je weiter ostwaerts wir kommen bis auf 26 Grad. Und das wohlgemerkt in Sibirien!

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Nachtrag: Moskau – 08.09.2007 Mittwoch, Sep 19 2007 

Seit gestern morgen sind wir nun nach langer Fahrt in Moskau angekommen. Die Fahrt war total entspannend und auch ueber die Grenzbeamten koennen wir nur positives berichten. Alles verlief voellig problemlos und der einzige Kritikpunkt betrifft die Zugtoiletten, die nicht wirklich sauber waren. Aber alles halb so schlimm. Unsere Gastfamilie ist wirklich sehr nett und wir haben mit ihnen gestern abend das ein oder andere Glas Vodka getrunken und auf die vor uns liegende Reise angestossen. Die Familie lebt im Deutschen Viertel, das etwas ausserhalb liegt. Das Leben in Moskau ist wirklich sehr sehr teuer, die Wohnung (circa 100qm) unserer Gastfamilie kostet in ewa 5000 Euro pro Monat. Auch im Supermarkt haben uns die Preise sehr negativ ueberrascht, denn die haben durchaus westliches Niveau, wenn nicht sogar darueber. Gerade haben wir den Kreml besichtigt und sind immer noch von der Groesse und Schoenheit begeistert. Der Eintritt war aber mit fast 30 Euro auch nicht gerade billig. Was uns in Moskau sofort aufgefallen ist, sind die extrem protzigen Nobelkarrossen, mancher Russen. In machen Strassen parkt ein Ferrari, neben einem Hummer, einem Porsche und Audi. Morgen werden wir noch eine Bootsfahrt auf der Moskwa machen und dann um 21:25 Uhr mit dem Zug In Richtung Sibirien aufbrechen.

Irgendwas in Moskau dscf0563-1.JPG dscf0608.JPG dscf0618.JPG dscf0625.JPG

Nachtrag: Russland wir kommen – 25.08.2007 Mittwoch, Sep 19 2007 

Jetzt steht es endlich fest: wir werden unsere Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn beginnen. Im Internet haben wir durch Zufall eine einmalig günstige Möglichkeit entdeckt, um von München bis nach Wladiwostok zu kommen. Für die Strecke München – Budapest nutzen wir das Sparangebot der Deutschen Bahn und ab Budapest reisen wir mit dem Slowakischen Citystar-Ticket. Die Fahrt ab München bis Wladiwostok kostet und daher nur 420 Euro pro Person in der 1. Klasse. Am 05.09.2007 werden wir morgens von München über Budapest nach Moskau aufbrechen, um dort offziell geladene Gäste der deutschen Botschaft zu sein. Am 09.09.2007 werden wir um 21:25 vom Jaroslaver Bahnhof in Moskau Richtung Sibirien starten. Damit Ihr mal einen Überblick über die Weite Russlands bekommt hier der Verlauf unserer Strecke:

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Jeden zweiten Tag verlässt der „Zug Nr. 2“ (Rossija) den Jaroslawler Bahnhof in Moskau, um gut sechs Tage später nach 9288 km Wladiwostok am Japanischen Meer zu erreichen. Bei Kilometer 1777 (im Ural) markiert ein Obelisk die Grenze zwischen Europa und Asien. Die Strecke verläuft über 7000 km von West nach Ost und 3500 km von Nord nach Süd und wird landschaftlich vorwiegend durch Taiga geprägt.

Die russischen Züge sind sehr komfortabel ausgestattet. Wir haben ein gemütliches Zweierabteil in der 1. Klasse gebucht. Unseren ersten Stopp werden wir in Irkutsk einlegen, um hoffentlich noch am selben Tag Tickets für die Weiterfahrt mit dem Bus auf die Insel Olchon zu ergattern. Die Insel Olchon ist vielleicht einigen aus der ZDF-Produktion Sternflüstern – Das Sibirien Abenteuer bekannt.

Aus dem Inhalt:

Können moderne Westeuropäer in Sibirien leben – in einer Landschaft mit neunmonatigen Wintern und klirrender Kälte? Das ZDF wagt es: Es schickt zwei Familien nach Sibirien, in das Dorf Chuschir auf der Insel Olchon inmitten des Baikalsees, um zu beobachten, wie es ihnen dort ergeht. In einen Alltag unter kargen Bedingungen, angewiesen auf die eigene Willensstärke und die Unterstützung der angstammten Bewohner. Wird das Land sie die berühmte Langmut lehren – oder wird es sie in die Flucht schlagen? Wenn der eigene Atem klirrend zu einer Wolke feinster Eiskristalle gefriert, nennt man das in Sibirien “Sternflüstern”. Sibirien fasziniert mit herbem Reiz und tiefer Seele. Der Name des Landes hat für uns Deutsche einen mystischen Klang. Zwischen der Romantik spektakulärer Natur und dem Horror einer grausamen Geschichte ist uns Sibirien fern und gleichzeitig nah: Noch heute leben dort über 250 000 Menschen mit deutschen Wurzeln.